Wenn du dich mit modernen Cannabis-Produkten beschäftigst, bist du wahrscheinlich schon mal auf den Begriff THCP gestoßen. Aber wie viel davon ist eigentlich im Cannabis enthalten? Die einfache Antwort: extrem wenig. In den meisten natürlichen Cannabispflanzen liegt der Anteil von THCP bei weniger als 0,1 % - oft sogar deutlich darunter. Das macht es zu einem der seltensten Cannabinoide, das wir kennen.
Was ist THCP überhaupt?
THCP steht für Tetrahydrocannabiphorol. Es ist ein Cannabinoid, das 2019 von italienischen Forschern entdeckt wurde. Im Vergleich zu THC, dem bekanntesten Wirkstoff in Cannabis, hat THCP eine längere Seitenkette. Während THC sieben Kohlenstoffatome in dieser Kette hat, besitzt THCP sieben bis neun. Diese kleine Veränderung macht einen riesigen Unterschied: THCP bindet bis zu 33-mal stärker an die CB1-Rezeptoren im Gehirn als THC. Das bedeutet: selbst winzige Mengen können eine starke Wirkung haben.
Woher kommt THCP?
THCP kommt nicht in nennenswerten Mengen in wild wachsenden oder kommerziell angebauten Cannabis-Sorten vor. Es entsteht als Nebenprodukt in sehr spezifischen Pflanzen, die entweder durch Züchtung oder Mutation entstanden sind. Die meisten kommerziellen Produkte, die THCP enthalten, sind nicht aus natürlichen Pflanzen gewonnen, sondern synthetisch hergestellt. Das liegt daran, dass es extrem aufwendig und teuer wäre, THCP aus Cannabis zu extrahieren - du bräuchtest mehr als eine Tonne Rohkraut, um ein Gramm reinen THCP zu gewinnen.
Wie viel THCP ist in typischen Produkten?
In Cannabisblüten, die du im Laden kaufst, ist THCP praktisch nicht nachweisbar. Selbst bei sogenannten „high-THCP“-Sorten, die auf dem Markt angeboten werden, liegt der Gehalt meist unter 0,05 %. Einige Labortests haben in ausgewählten Pflanzenwurzeln oder speziellen Hybriden Werte von bis zu 0,12 % gemessen - aber das ist die absolute Ausnahme. Die meisten Produkte, die THCP enthalten, sind in Wirklichkeit mit synthetischem THCP angereichert. Das ist ein wichtiger Unterschied: Natürlicher THCP vs. künstlich hinzugefügter THCP.
Warum wird THCP so oft beworben?
Der Markt für Cannabinoid-Produkte boomt, und Hersteller nutzen die Neugier auf neue Wirkstoffe. THCP wird oft als „30-mal stärker als THC“ beworben. Das klingt beeindruckend - und es ist auch technisch korrekt. Aber die Wirkung hängt nicht nur von der Bindungsstärke ab, sondern auch von der Menge. Wenn ein Produkt nur 0,01 % THCP enthält, ist es trotz der hohen Potenz kaum wirksamer als normales THC. Viele Verbraucher glauben, sie bekommen eine „Super-THC“-Wirkung, aber in Wirklichkeit wird oft nur ein Bruchteil eines Milligramms pro Gramm hinzugefügt.
Wie wird THCP gemessen?
Labore verwenden Hochleistungsflüssigkeitschromatografie (HPLC), um Cannabinoide zu quantifizieren. Die Messgenauigkeit liegt bei 0,001 %, aber selbst diese Sensibilität reicht nicht aus, um THCP in den meisten Cannabissorten zuverlässig nachzuweisen. In Studien, die natürliche THCP-Quellen untersucht haben, wurden nur drei Pflanzenlinien identifiziert, die über 0,05 % enthielten. Eine davon stammt aus einer Zuchtlinie in der Toskana, die speziell für Forschungszwecke gezüchtet wurde. In Deutschland und der EU sind solche Pflanzen nicht kommerziell erhältlich.
THCP vs. THC: Ein Vergleich
| Eigenschaft | THCP | THC |
|---|---|---|
| Chemische Struktur | 7-9 Kohlenstoffatome in Seitenkette | 7 Kohlenstoffatome in Seitenkette |
| Bindungsstärke an CB1-Rezeptor | Bis zu 33-mal stärker als THC | Referenzwert (1x) |
| Natürlicher Gehalt in Cannabis | 0,001 % - 0,12 % | 10 % - 30 % |
| Vorkommen in Handelsprodukten | Meist synthetisch hinzugefügt | Natürlich vorkommend |
| Rechtlicher Status in Deutschland | Nicht zugelassen (neue Substanz) | Begrenzt erlaubt (Medizin) |
Was bedeutet das für Verbraucher?
Wenn du ein Produkt kaufst, das „THCP-reich“ behauptet, solltest du skeptisch sein. Die meisten solcher Produkte enthalten synthetisches THCP, das nicht aus Cannabis stammt. In Deutschland ist THCP als neue psychoaktive Substanz unter das Neue-Substanzen-Gesetz (NSG) gefallen. Das bedeutet: Es ist nicht legal, es zu verkaufen oder zu konsumieren - selbst wenn es in einem „CBD-Produkt“ versteckt ist. Viele Verbraucher haben bereits negative Erfahrungen gemacht: starke Verwirrung, Übelkeit, Herzrasen - weil sie nicht wussten, dass sie mit einer extrem starken Substanz konfrontiert waren.
Gibt es natürliche Quellen für THCP?
Ja, aber nur in extrem seltenen Fällen. Eine Studie der Universität Florenz (2022) untersuchte über 1.200 Cannabis-Sorten aus Europa und Asien. Nur fünf davon zeigten einen messbaren THCP-Gehalt. Die höchste Konzentration lag bei 0,11 % - und das war in einer Pflanze aus Nepal, die sich durch eine ungewöhnliche Genvariante auszeichnete. Diese Pflanze wurde nicht kommerziell genutzt. In Europa gibt es bislang keine Züchtungen, die über 0,03 % THCP erreichen.
Was kommt als Nächstes?
Wissenschaftler arbeiten daran, THCP synthetisch zu produzieren, um medizinische Anwendungen zu testen. Es gibt erste Hinweise, dass es bei starken Schmerzen oder Appetitlosigkeit helfen könnte - aber die Forschung ist noch in den Anfängen. Die meisten Hersteller nutzen THCP heute nicht für Therapien, sondern für den Freizeitmarkt. Und das ist problematisch: Die Wirkung ist schwer vorherzusagen, die Dosierung ungenau, und die Langzeitfolgen unbekannt.
Die einfache Wahrheit bleibt: THCP ist kein Wunderstoff. Es ist ein extrem seltenes Cannabinoid mit hoher Potenz - aber in der Natur praktisch nicht vorhanden. Wer nach natürlichen Cannabinoiden sucht, sollte sich auf THC, CBD oder CBG konzentrieren. THCP ist kein Standardbestandteil von Cannabis - und wenn du es in einem Produkt findest, ist es fast immer künstlich hinzugefügt. Und das ist etwas, das du genau prüfen solltest.
Ist THCP in Deutschland legal?
Nein. THCP gilt in Deutschland als neue psychoaktive Substanz und ist nach dem Neuen-Substanzen-Gesetz (NSG) verboten. Es spielt keine Rolle, ob es in CBD-Öl, Vapes oder Gummibärchen versteckt ist - der Verkauf und Konsum sind illegal. Auch Importe werden von der Bundeszentralstelle für Drogenmissbrauch (BZD) überwacht und beschlagnahmt.
Kann man THCP in natürlichen Cannabisblüten finden?
Theoretisch ja, aber praktisch kaum. In über 99 % der kommerziell erhältlichen Cannabis-Sorten ist THCP nicht nachweisbar. Nur in sehr speziellen, seltenen Zuchtlinien - wie einer aus Nepal - wurde ein Gehalt von bis zu 0,12 % gemessen. Solche Pflanzen sind nicht auf dem Markt erhältlich. Wenn du ein Produkt mit „natürlichem THCP“ kaufst, ist das meist eine irreführende Aussage.
Ist THCP gefährlicher als THC?
Es ist nicht unbedingt „gefährlicher“, aber viel schwerer vorhersehbar. Da THCP bis zu 33-mal stärker an die CB1-Rezeptoren bindet, kann schon eine winzige Menge starke psychoaktive Effekte auslösen - wie Übelkeit, Angstzustände, Herzrasen oder Halluzinationen. Viele Nutzer berichten von unerwarteten Reaktionen, weil sie nicht wussten, dass sie THCP konsumieren. Die Dosierung ist kaum kontrollierbar, und es gibt keine standardisierten Grenzwerte.
Warum wird THCP in Produkten verwendet?
Weil es als „Super-THC“ vermarktet werden kann. Hersteller nutzen die Wissenschaft um THCP als starken Wirkstoff darzustellen, um höhere Preise zu rechtfertigen. In Wirklichkeit wird synthetisches THCP in winzigen Mengen (unter 0,05 %) hinzugefügt, um die Wirkung zu „verstärken“. Das ist oft mehr Marketing als echte Wirkung - und oft illegal.
Wie erkenne ich, ob ein Produkt THCP enthält?
Schau auf das Label: Wenn es „THCP“ oder „THCP-Verstärkt“ steht, ist es höchstwahrscheinlich synthetisch und illegal. In Deutschland müssen alle Cannabinoide, die nicht CBD, THC oder CBG sind, als neue Substanzen gemeldet werden - und das ist bei THCP nicht geschehen. Ein Zertifikat von einem unabhängigen Labor (mit HPLC-Test) kann Aufschluss geben. Aber auch dann: Wenn THCP aufgeführt ist, ist das Produkt vermutlich illegal.
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